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Ergonomie und psychische Gesundheit am mobilen Arbeitsplatz

Homeoffice gehört für viele Beschäftigte inzwischen zum Arbeitsalltag. Fast 25 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiten mindestens teilweise von zu Hause. Home Office bietet dabei diverse Vorteile: Beispielsweise entfällt der Weg ins Büro und die Arbeitszeit lässt sich flexibler gestalten. Gleichzeitig entstehen zu Hause neue Herausforderungen für Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden. 

Ein provisorischer Arbeitsplatz am Küchentisch, langes Sitzen, schlechte Lichtverhältnisse oder ständige Erreichbarkeit können auf Dauer zur Belastung werden. Neben der Ergonomie spielt deshalb auch die psychische Gesundheit im Homeoffice eine wichtige Rolle. 

Ein gesund gestaltetes Homeoffice bedeutet somit mehr als einen Laptop auf dem Schreibtisch. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus ergonomischem Arbeitsplatz, guter Arbeitsorganisation und ausreichender Trennung von Arbeits- und Freizeit. 

Auch bei der Arbeit von zu Hause müssen die Anforderungen des Arbeitsschutzes berücksichtigt werden. Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber dazu, mögliche Gefährdungen zu beurteilen und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Dabei müssen nach Arbeitsschutzgesetz § 5 ausdrücklich auch psychische Belastungen berücksichtigt werden.  

Rechtlich ist zwischen Telearbeit und mobiler Arbeit beziehungsweise Homeoffice zu unterscheiden. Ein Telearbeitsplatz ist ein fest eingerichteter Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich des Beschäftigten, der vom Arbeitgeber entsprechend eingerichtet und vereinbart wurde. Für mobile Arbeit wird der Arbeitsplatz vom Arbeitnehmenden selbst gewählt und eingerichtet. Aber auch hier gelten insbesondere die allgemeinen Anforderungen des Arbeitsschutz- und Arbeitszeitgesetzes. 

Für Unternehmen bedeutet das: Homeoffice sollte in die betriebliche Arbeitsschutzorganisation und die Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden. Es ist darauf zu achten, dass auch mobile Arbeitsplätze den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden sichergestellt wird.

Wer regelmäßig zu Hause arbeitet, sollte möglichst nicht dauerhaft am Küchentisch oder auf dem Sofa sitzen. Für kurze Tätigkeiten kann das funktionieren – als dauerhafter Arbeitsplatz ist eine solche Lösung jedoch meist ungeeignet. 

Ein ergonomischer Arbeitsplatz sollte ausreichend Platz bieten und eine entspannte Körperhaltung ermöglichen. Dazu gehören ein geeigneter Bürostuhl, ein passender Tisch sowie eine sinnvolle Positionierung von Bildschirm, Tastatur und Maus. 

Darauf kommt es an: 

  • Der Bildschirm sollte so aufgestellt werden, dass Kopf und Nacken möglichst entspannt bleiben.
  • Es sollte ein Abstand von etwa 50 bis 80 cm zum Bildschirm eingehalten werden
  • Eine regelmäßige Veränderung der Sitzhaltung und dynamisches Sitzen schont den Rücken
  • Bei der Bedienung von Tastatur und Maus sollten Schultern und Arme entspannt bleiben.
  • Der Arbeitsplatz sollte mit Tageslicht beleuchtet sein und Blendungen vermieden werden.
  • Stolperstellen durch Kabel oder herumliegende Gegenstände sind in jedem Fall zu vermeiden.
  • Kurze Bewegungsphasen sollten in den Arbeitsalltag im Home Office integriert werden. 

Auch im Home Office spielen aus Sicht des Arbeitsschutzes nicht nur physische Gefahren eine Rolle. Auch psychische Belastungen können die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen. Gerade wenn Arbeits- und Privatleben am selben Ort stattfinden, können die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. 

Mögliche Belastungsfaktoren sind beispielsweise: 

  • hoher Arbeitsdruck und häufige Unterbrechungen 
  • ständige Erreichbarkeit 
  • viele Videokonferenzen 
  • fehlende Pausen 
  • wenig persönlicher Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen 
  • unklare Arbeitszeiten oder Erwartungen 
  • Schwierigkeiten, nach Feierabend abzuschalten 

 

Nach Arbeitsschutzgesetz sind auch diese psychischen Belastungen unabhängig vom Arbeitsort im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Klare Arbeitszeiten und Erreichbarkeitsregeln sind beispielsweise sinnvolle Maßnahmen, um Gefährdungen zu reduzieren. Ebenso können fest eingeplante Pausen und ein bewusstes Ende des Arbeitstages dabei helfen, eine klare Trennung von Berufs- und Privatleben sicherzustellen. Durch regelmäßigen Austausch mit Kolleginnen, Kollegen und Führungskräften führt die Arbeit Homeoffice nicht zu sozialer Isolation. 

Ein einfacher Tipp für die Praxis: Computer ausschalten, Arbeitsunterlagen wegräumen und den Arbeitsplatz nach Feierabend bewusst verlassen. So wird das Ende der Arbeitszeit auch räumlich sichtbar. 

Ein gesundes Homeoffice muss nicht kompliziert sein. Oft helfen bereits wenige, konsequent umgesetzte Maßnahmen: 

  1. Einen festen Arbeitsplatz schaffen
    Wer regelmäßig zu Hause arbeitet, sollte möglichst einen geeigneten Arbeitsplatz nutzen und dauerhafte Provisorien vermeiden.
  2. Bewegung einplanen
    Nicht erst auf Rücken- oder Nackenschmerzen reagieren. Regelmäßig aufstehen, die Sitzposition wechseln und kurze Bewegungsphasen nutzen.
  3. Pausen ernst nehmen
    Eine Pause sollte tatsächlich der Erholung dienen und nicht nebenbei mit E-Mails oder Telefonaten gefüllt werden.
  4. Erreichbarkeit begrenzen
    Klare Regeln zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeit helfen dabei, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit zu erhalten.

Homeoffice sollte nicht als vom Unternehmen losgelöster Arbeitsplatz betrachtet werden. Auch hier müssen mögliche Gefährdungen erkannt und geeignete Maßnahmen festgelegt werden. Dazu gehören nicht nur ergonomische Aspekte, sondern auch Arbeitszeit, Arbeitsorganisation und psychische Belastungen. Eine passende Unterweisung kann Beschäftigte zusätzlich für einen gesunden Arbeitsplatz und mögliche Belastungen sensibilisieren. 

Für Unternehmen lohnt es sich deshalb, regelmäßig zu prüfen: 

Ist der Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet? Werden Arbeitszeiten und Pausen eingehalten? Gibt es klare Regeln zur Erreichbarkeit? Und haben Beschäftigte ausreichend Möglichkeiten für Austausch und Erholung? Denn Arbeitsschutz endet nicht an der Bürotür. Auch im Homeoffice sollte Arbeit sicher, gesund und nachhaltig gestaltet werden. 

Benötigen Sie Unterstützung bei der Einführung von Home Office Möglichkeiten und der Berücksichtigung in der Gefährdungsbeurteilung? Sprechen Sie uns gern an.