Die Relevanz psychischer Gefährdungen im Arbeitsschutz
Psychische Belastungen entwickeln sich immer stärker zu einem relevanten und ernstzunehmenden Problem am Arbeitsplatz. Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit, Personalmangel oder überdimensionale Erwartungen gehören in vielen Unternehmen zum Alltag. Sie wirken sich schleichend auf Motivation, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden aus und müssen daher auch im Arbeitsschutz Berücksichtigung finden. Anders als körperliche Gefährdungen sind psychische Belastungen häufig auf den ersten Blick nicht sichtbar und bleiben daher lange unerkannt. Dieser Umstand macht sie für Unternehmen so herausfordernd und gleichzeitig gefährlich für die Mitarbeitenden.
Wie Sie mit dieser Gefahr richtig umgehen und die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden sicherstellen, wollen wir in diesem Blogbeitrag aufzeigen. Dabei geht es nicht darum, jede Stresssituation zu eliminieren. Viel wichtiger ist es, psychische Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und ihnen mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen. Denn ein gesundes Arbeitsumfeld reduziert nicht nur die Belastung für Ihre Mitarbeitenden, sondern trägt im selben Maße zum Unternehmenserfolg bei.
Die Relevanz psychischer Belastungen im Arbeitsschutz
Laut DGUV geben die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland an, einem höheren Zeitdruck bei der Erledigung ihrer Aufgaben ausgesetzt zu sein. Dem statistischen Bundesamt zufolge sind 25% der Erwerbstätigen von konkreten psychischen Belastungen betroffen. 80% und damit 4 von 5 Befragten nehmen einen wachsenden Stresspegel am Arbeitsplatz wahr und 62% sehen ihre Gesundheit durch zunehmende psychische Belastungen gefährdet.
Diese Zahlen zeigen, wie wichtig die Betrachtung psychischer Belastungen im Rahmen des Arbeitsschutzes ist. Auch gesetzlich ist dies seit mehreren Jahren verankert.
Jeder Arbeitgebende ist dazu verpflichtet, die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeitenden sicherzustellen. Die Gefährdungsbeurteilung stellt in diesem Zusammenhang die Grundlage aller Maßnahmen dar, die zur Sicherstellung einer gesundheitsfördernden Arbeitsumgebung umgesetzt werden. Nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung neben körperlichen Gefährdungen auch die psychische Belastung berücksichtigt werden.
Die Ursachen psychischer Belastungen
Betrachtet man die Psyche von Mitarbeitenden etwas detaillierter, lässt sich eine Vielfalt an Ursachen erkennen, die zu Belastungen führen können. Arbeitswissenschaftlich werden diese in vier Oberkategorien unterteilt:
Arbeitsaufgabe und -organisation
- hoher Leistungsdruck
- unrealistische Deadlines
- fehlende Vielfalt in den Arbeitsaufgaben
- fehlende Pausen und ständige Überstunden
- mangelnde Struktur in den Arbeitsabläufen
- häufige Unterbrechungen
- digitales Umfeld, z.B. ständige Erreichbarkeit, E-Mail-Flut oder fehlende Trennung von Arbeit und Freizeit
Betriebliche Organisation
- Unklare Strukturen ohne klare Zielvorgaben und eindeutige Anweisungen
- Häufige Reorganisation und Veränderungen innerhalb der Teamstrukturen
- Störungen im Arbeitsablauf durch Multitasking oder unzureichende Arbeitsmittel
Soziale Arbeitsumgebung
- Unangenehmes Führungsklima durch autoritären Führungsstil
- mangelnde Wertschätzung
- unberechtigte oder nicht konstruktive Kritik
- Konflikte im Team, Mobbing oder Diskriminierung
- soziale Isolation, beispielsweise durch hybride Arbeitsmodelle
Physische Arbeitsumgebung
- Lärmbelästigung
- schlechte Lichtverhältnisse
- unangenehme Temperaturen
- schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz
Vier Schritte zur Identifikation psychischer Belastungen
Da diese häufig – anders als physische Einflüsse – nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind, kann zur Annäherung in vier Schritten vorgegangen werden.
- Erfassung
Im ersten Schritt müssen mögliche Belastungen erfasst werden. Hierzu können anonyme Mitarbeiterbefragungen oder interaktive Workshops erfolgen. Ebenso sind strukturierte Beobachtungen geeignet.
- Beurteilung
Anschließend sollten Stressoren – also die Ursachen der psychischen Belastungen – identifiziert und analysiert werden.
- Maßnahmen
Im dritten Schritt werden konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmen entwickelt, um die Stressoren zu eliminieren oder zu reduzieren.
- Wirksamkeitsprüfung
Ein langfristiger Erfolg lässt sich häufig nicht durch einmalige Aktivitäten erzielen. Daher sind regelmäßige Überprüfungen der Maßnahmen sowie eine regelmäßige Feinjustierung oder Optimierung empfehlenswert.
Wie erkennt man psychische Belastungen im Unternehmen?
Psychische Belastungen im Unternehmen sind häufig nicht unmittelbar zu erkennen. Es ist daher besonders wichtig, auf Warnsignale zu achten:
- Konzentrationsprobleme und wiederkehrende Fehler
- Erschöpfung, Gereiztheit oder Motivationsverlust Ihrer Mitarbeitenden
- Rückzug aus ausgewählten Teams oder der Gemeinschaft
- Häufige Krankmeldungen und steigende Fehlzeiten in der Belegschaft
- Steigende Fluktuation oder Häufung von Kündigungen in einem Team
Erkennen Sie diese Signale frühzeitig, können langfristige gesundheitliche Folgen für Ihre Mitarbeitenden verhindert werden. Da psychische Belastungen sich oft schleichend entwickeln, ist ein frühes Entgegenwirken besonders wichtig. Durch eine offene Kommunikationskultur schaffen Sie Vertrauen bei Ihren Mitarbeitenden und bauen Hemmschwellen ab. Auf diese Weise motivieren Sie Mitarbeitende, bereits vor dem Entstehen psychischer Belastungen mit Problemen an Sie heranzutreten und ein frühes Eingreifen zu ermöglichen.
Welche Maßnahmen helfen dabei, die psychischen Belastungen zu reduzieren?
Stellen Sie in Ihrem Betrieb psychische Belastungen fest, sollten schnellstmöglich Maßnahmen ergriffen werden, um langfristige gesundheitliche Schäden für Ihre Mitarbeitenden zu vermeiden. Hierbei können bereits kleinste Maßnahmen große Wirkung zeigen und die Arbeitsumgebung verbessern.
Im Bereich der Arbeitsorganisation entlasten Sie Ihre Mitarbeitenden durch klare Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner sowie Vorgesetzte. Setzen Sie Ihren Angestellten realistische Ziele und räumen Sie Zeiträume für fokussierte Tätigkeiten ein, in denen keine ständige Erreichbarkeit erwartet wird. Außerdem sollte auf die Einhaltung der Arbeitszeit geachtet und es sollten ausreichende Pausenzeiten sichergestellt werden. Regelmäßige Mitarbeitergespräche helfen dabei, Vertrauen zu schaffen und eine offene Kommunikationskultur zu fördern. Im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements können außerdem Kurse zur Stressbewältigung oder ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung angeboten werden.
Die Berücksichtigung psychischer Belastungen ist im modernen Arbeitsschutz ein elementarer Bestandteil. Die Berücksichtigung daraus resultierender Gefahren ist eine gesetzliche Pflicht und ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen und die Gesundheit der Mitarbeitenden. Wer die Warnsignale frühzeitig erkennt und die Gefährdungsbeurteilung als aktives Gestaltungswerkzeug nutzt, schützt nicht nur die Gesundheit seiner Belegschaft. Sie schaffen damit ein stabiles, vertrauensvolles Arbeitsumfeld, das Ihr Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig und attraktiv für Fachkräfte hält.
Wir unterstützen Sie bei der Erstellung Ihrer Gefährdungsbeurteilung und zeigen Ihnen Möglichkeiten auf, psychische Belastungen zu reduzieren. Lassen Sie uns gemeinsam die psychische Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden sicherstellen!